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Mary Lavater – Sloman   In der Geschichte beheimatet

Sie kam aus Hamburg (Tochter eines Reeders), lernte in St. Petersburg vor der Revolution den Schweizer Ingenieur Emil Lavater kennen („Der erste normale junge Mann“, den sie nach Hause bringe, sagte die Mutter), liess sich nach der Heirat mit ihm in Winterthur nieder. Vier Kinder kamen zur Welt, Haushalt, Reisen, reges gesellschaftliches Leben – sie hätte zufrieden sein können und war es doch nicht so ganz. Etwas fehlte, etwas drängte aus ihr hervor. Es machte sich bemerkbar in Form einer „Weltgeschichte für Kinder“, für ihre eigenen – ihr erstes, nie vollendetes und nie erschienenes Werk; aber es zeugte unübersehbar für beides, für ihre Liebe zur Geschichte und für ihre unbändige Lust am Schreiben. Schon mit neun Jahren hatte das Mädchen beschlossen, eine „Familiengeschichte“ der Slomans zu verfassen. Es blieb bei einer Sammlung von Anekdoten. Und einmal hatte sie am Tisch mitten in die Stille hinein geseufzt:“ Ich freue mich auf das Sterben“. „Warum willst du denn sterben?“ rief der Vater. „Weil ich dann endlich Karl den Grossen kennen lernen kann“, antwortete die kleine Mary.
 
Aus dem Bewusstsein heraus, mit der ganzen Geschichte der Menschheit in lebendigem Zusammenhang zu stehen, wächst nun ein ungeheuer produktives schriftstellerisches Schaffen: an die 30 Bücher, fast alle 400, 500 und 600 Seiten dick. Johann Caspar Lavater, Katharina II., Elisabeth von Thüringen, Pestalozzi, Annette von Droste-Hülshoff, Lucrezia Borgia, Elisabeth I. von England, Eckermann, Jeanne d’Arc, Christina von Schweden, Heinrich Schliemann, Richard Löwenherz – über sie alle hat sie grossartige und hinreissende Biographien geschrieben.

Energisch, temperamentvoll, intelligent, fleissig, lebensfroh, wissbegierig, schöpferisch, auch humorvoll, geistreich und charmant, eine Frau von Welt, eine Lady, liebenswürdig und menschenfreundlich und jugendlich bis ins hohe Alter: so beschreibt sie Eduard Stäuble in seinem Nachruf zu ihrem Tode 1980.

Diese Website will die Erinnerung an eine grossartige Frau und an eine vielseitig begabte Schriftstellerin aufrecht erhalten. Sie will der Ort für erste annähernde Informationen zum Werk von Mary Lavater – Sloman sein, Plattform für die Auseinandersetzung mit ihrer Biographie wie auch mit dem schriftstellerischen Werk. Und sollte es gelingen, mit dem Gespräch von und über Mary Lavater-Sloman den Weg frei zu machen für die Forschung von Studierenden: es wäre eine späte Krönung für ein überaus bemerkenswertes schriftstellerisches Schaffen, das im 20. Jahrhundert einzigartig da steht.

Prof. Dr. Hans Meyer Morschach

Kurator der Mary Lavater-Sloman Website